Rhetorik-Tipps für Deine Präsentation

Schnarchen. Diesen Laut möchtest Du bei Deinem Vortrag aus dem Publikum sicher nicht hören. Um das zu verhindern, sollte Dein Vortrag zum einen logisch aufgebaut, aber auch sprachlich ansprechend gestaltet sein.

Dein Publikum soll Dir gut folgen können und Dir gerne zuhören! Beherzige dazu einige der folgenden Tipps der Redekunst, der Rhetorik.

Du lernst im folgenden Beitrag zum Beispiel:
  • …dass Du Dein Publikum kennen musst
  • …dass gewisse Stilmittel Deinem Vortrag Würze verleihen
  • …dass eine Frage gleich zu Beginn besonders wichtig ist

Im folgenden Text geht es also vor allem um die sprachliche Gestaltung Deines Vortrags.

Info: In einigen Rhetorik Ratgebern werden auch Ratschläge zum Aufbau und Struktur Deiner Rede bzw. Deines Vortrags gegeben. Dies ist natürlich ein sehr wichtiges Element eines guten Vortrags . Für mich sind diese Tipps zum Aufbau Deines Vortrags so wichtig, dass ich ihnen einen eigenen Beitrag gewidmet habe, statt alles in einen Text zu quetschen.

Meine Rhetorik-Tipps für Dich:

Rhetorik Definition: Was ist Rhetorik?

Der Begriff „Rhetorik“ kommt aus dem Altgriechischen und heißt übersetzt Redekunst.

Mit Rhetorik beschreibt man heute zum einen die Kunst des Redens und Überzeugens an sich, aber auch die Theorie, welche sich mit der Redekunst beschäftigt.

Rhetorik als Redekunst ist ein menschliches Kommunikationsverhalten, das auf Effektivität, Überzeugung und Erfolg ausgerichtet ist. Mit der Rhetorik als Redekunst möchte der Redner sein Publikum (mit Argumenten von seinem Standpunkt) überzeugen.

Ziele einer guten Rede:
  • docere = belehren. Ein Redner soll in seiner Rede sein Publikum belehren und mit Fakten überzeugen. Er soll Wissen vermitteln, indem er die Fakten nennt und Argumente für eine logische Erklärung hervorbringt.
  • delectate = erfreuen. Reine Fakten sind auf Dauer langweilig. Der Redner sollte mit seiner Rede auch das Publikum erfreuen und intelligent unterhalten.
  • movere = bewegen. Das dritte Ziel einer Rede ist die Vermittlung einer Botschaft. Der Redner soll das Publikum auch zu etwas bewegen, etwas in ihm auslösen, es beeinflussen („call-to-action“ sozusagen!)

Die Fähigkeit, die richtige Mischung aus diesen drei Zielen zu finden, macht einen sehr guten Redner (orator) aus. Für Präsentation bzw. das Referat im Schul- und Uni-Umfeld ist vor allem die Funktion „docere“ wichtig, die Du mit einer guten Prise „delectare“ und einem Hauch „movere“ kombinieren kannst.

Diese Wirkungsabsichten bzw. Ziele der Rede korrespondieren zudem mit den folgenden drei Typen der Überzeugungsmittel.

Überzeugungsmittel (modes of persuasion):
  • Logos: Teil Deines Vortrags mit den Informationen, Daten und Fakten. Ein logischer Aufbau Deines Vortrags und damit Deiner Argumentation wird erwartet. Korrespondiert zu: docere
  • Ethos: Hier geht es um Deine Wirkung auf das Publikum. Kannst Du die Infos so rüberbringen, dass man Dir gerne zuhört und Dir die Informationen auch abnimmt (Glaubwürdigkeit). In der klassischen Formulierung geht es hier sogar um den Charakter des Redners. Korrespondiert zu: delectare
  • Pathos: Emotionen und Affekte des Publikums. Dein Vortrag löst etwas beim Publikum aus, der Vortrag spricht die Gefühle an und vermittelt eine Botschaft. Korrespondiert zu: movere

Wie bei den Redezielen gilt für Dich hier ebenso: Im Schul-  bzw. Uni-Umfeld wird vor allem Wert auf Logos gelegt. Ethos setzt Du durch ein angenehmen Vortrag und eine gewisse Überzeugung von Dir und Deinem Thema. Pathos eignet sich analog zu „movere“ nur bedingt für einen Vortrag, der auf Wissensvermittlung abzielt. Gleichwohl setzen z.B. Redner bei den TED Vorträgen auch dieses Überzeugungsmittel gut ein, sofern sie mit ihren wissenschaftlichen Erkenntnissen zu einem Umdenken aufrufen wollen.

Ein sehr cooles, kurzes Video von Benedikt auf seinem YouTube Kanal „RedeFabrik – Kommunikation & Rhetorik“ gibt einen schönen Überblick über das Thema Rhetorik. Benedikt spricht dabei auch einige Dinge an, die ich in diesem Beitrag behandle (Hinweis: Link führt zu YouTube).

Rhetorik-Tipp 1: Relevanz

Beantworte die wichtigste W-Frage zu Beginn: Warum?

Die zentrale Frage für Deine Zuhörer gleich am Anfang Deines Vortrags lautet:

Warum lohnt es sich, zuzuhören?

Denke für genau diesen Teil an die Funktion „movere“ einer guten Rede: Gleich zu Beginn musst Du also das Interesse für Dein Thema wecken! Gerne wird das formuliert als, „das Publikum mitnehmen“. Deine Aufgabe ist es, Dein Publikum für Dein Thema ein Stück weit zu begeistern.

Das kann Dir zum Beispiel so gelingen:

  • Zeige Relevanz auf mit Bezug zu aktuellen Ereignissen (Beispiel: Referat über Zusammenhang zwischen Staatsfinanzen und Wahlen: Aufhänger Bundestagswahl, Stichwort Wahlgeschenke)
  • Zeige Relevanz auf mit Bezug zu historischen Ereignissen (Beispiel: Spektakulärer Einzelfall für dein Thema)
  • Zeige eine Forschungslücke auf
  • Wecke Emotionen für das Thema mit einem Bild oder Video

Näheres zu den einzelnen Methoden gibt’s im Text über die Möglichkeiten, einen Vortrag zu beginnen.

Rhetorik-Tipp 2: Rahmenbedingungen

Kenne Dein Publikum.

Vor wem hältst Du Deinen Vortrag überhaupt?

Vor Klassenkameraden? Vor Studienkollegen?  (Vor Erstsemestern, falls Du z.B. Tutor bist?) Nur vor Professoren bei einer Abschlussprüfung?  Vor Laien bei einem öffentlichen Vortrag an der Volkshochschule?

Die Zusammensetzung Deines Publikums soll Auswirkungen auf Deine Formulierungen haben. Der folgende Punkt ist dabei besonders wichtig: Du musst Dir Gedanken über das Vorwissen machen, das Du voraussetzen kannst. Wähle Deine Formulierungen, Deine Worte und Deine Detailtiefe „kunden- bzw. nutzerorientiert“ aus.

Dir können folgende Fragen helfen, Dir selbst die Rahmenbedingungen klar zu machen:

Was sind meine Ziele?

Beispiel: Wissen vermitteln auf eine interessante, launig lebendige Art und Weise

Wo muss ich mein Publikum „abholen“? Wie viel Wissen hat das Publikum über das Thema im Allgemeinen? Alles Politikstudenten oder auch Fachfremde anwesend oder sogar Laien?

Beispiel: Angenommen, eine Unterrichtseinheit ist in der Schule bereits behandelt, und nun folgt von Dir ein Vortrag über ein Teil der Unterrichtseinheit: Du kannst ein gewissen Wissen über das Thema voraussetzen.

Welche Fachbegriffe sind (daher) schon bekannt? Wie viele davon braucht es?

Beispiel ähnlich wie oben: In einem Seminarkurs in Wirtschaft sollte jeder wissen, was Inflation und Deflation ist, wohingegen von Laien das nicht erwartet werden kann.

Wie tief kann und soll ich bei mathematischen Modellen gehen?

Beispiel: Manchmal reicht es, eine Regressionstabelle in Statistik nur lesen und interpretieren zu können, aber das genaue Modell hinter der Schätzung nicht erklären zu müssen. Es kommt auf den Schwerpunkt Deines Vortrags an. Geht es gerade um diese eine Tabelle? Dann erkläre das Modell. Ist die Tabelle nur ein Teil eines Arguments, dann ist das genaue Modell nicht so wichtig.

Werden mehr Daten oder mehr Erzählungen (Anekdoten) bevorzugt?

Beispiel: In Konstanz an der Uni ist die Forschung typisch Empirie betonend, während in der Schule eher erzählende, anekdotische Vermittlung von Wissen oder über Infografiken und „einfache“ Statistiken funktionieren kann.

Welche (Rück-) Fragen kann ich erwarten?

Beispiel: Es könnte sein, dass Du weitere Beispiele zu vorgestellten Theorien bzw. Begriffen nennen sollst. Oder es wird doch explizit zu mathematischen Modellen gefragt.

Rhetorik-Tipp 3: Pausen

Mache Pausen. Gebe Deinem Publikum Zeit, das Gesagte zu verarbeiten und darüber kurz nachzudenken.

Pausen sind ein unterschätztes Stilmittel bei Vorträgen. Zumindest, wenn ich an manche Vorträge in der Schule zurückdenke…

Pausen sind wertvoll und mächtig:

  • Bewusste Pausen halten Dich dazu an, langsamer zu sprechen und geben Dir Zeit zu atmen.
  • Pausen betonen den Abschluss eines Gedankens, wenn Du am Ende eines Satzes kurz schweigst und nicht sofort zum nächsten Punkt übergehst.
  • Bedenke bei Deinen Vorträgen: Dein Publikum hat nicht die Möglichkeit, selbst auf „Pause“ zu drücken, oder wie beim Lesen kurz vom Blatt aufzuschauen, zurückzublättern oder etwas nachzulesen. Somit profitierst nicht nur Du von einer Pause, sondern gerade auch Dein Publikum.

Rhetorik-Tipp 4: Genauigkeit

Sei präzise.

Eine der größten Herausforderungen ist der Ratschlag, dass Du auf den Punkt formulieren sollst. Das ist leichter gesagt als getan.

Doch was ist damit gemeint? Einige Tipps dazu.

  • Erzähle nicht mehr, nur damit was gesagt ist. Verwende lieber drei starke Argumente statt vieler Argumente, von denen die meisten sowieso schnell wieder vergessen werden. (Weiterlesen: Dreier-Regel, Weglassen: Eine hohe Kunst)
  • Verwende bei definierten Begriffen immer die eingeführte Formulierung, statt Synonyme einzuführen. Bei wichtigen Defintionen ist eine Wiederholung nicht verkehrt, sondern sogar sinnvoll. So ist immer klar, dass Du genau diesen Begriff meinst.
  • Verwende Worte, die Du verwenden würdest, wenn Du Dein Thema einem interessierten Bekannten erklären würdest. Sprich also nicht gekünstelt, d.h. verwende keine bildungssprachlichen Begriffe, nur um besonders schlau zu erscheinen; (= „elaboriert sprechen“, witzig: „elaboriert“ beschreibt sich selbst ganz gut)
  • Verfalle jedoch nicht in Umgangssprache, auch wenn Du locker klingen möchtest. Es ist immer noch ein Vortrag, der in der Regel einer Prüfungsleistung entspricht, und kein Kabarett.
  • Formuliere Deine Sätze lieber im Aktiv als im Passiv. Benenne die Akteure und deren Aktionen.
  • Traue Dich „ich weiß nicht“ zu sagen, falls Du auf eine Rückfrage wirklich keine Antwort hast. Das sollte aber bei einer guten Vorbereitung sehr selten passieren. Bei mir ist das bei Detailfragen von Studienkollegen passiert, wo es dann auch nicht schlimm war, die Antwort nicht zu kennen. Du kannst die Frage sogar in den Raum stellen. Möglicherweise weiß ein Kommilitone oder die Lehrkraft die Antwort.

Rhetorik-Tipp 5: Lebendigkeit

Verwende Stilmittel.

Solltest Du nach Rhetorik im Internet suchen oder aber in der Schule schon davon gehört haben, so ist der Weg zu Stilmitteln nicht weit. Sicher ist die Verwendung von Stilmitteln ein wichtiger Aspekt für „gute Rhetorik“ im Sinne einer guten Redekunst.

Doch gerade im Bildungsumfeld sollst Du nicht übertreiben. Du bist nicht bei einer Rede eines Politikers und schon gar nicht beim Überreden. Du möchtest mit Deinem Wissen überzeugen.

Dennoch kannst Du Dir einige Stilmittel zu Nutze machen, z.B. für ein geschmeidige Übergänge, für rund klingenden Aufbau oder für eine interessante Vortragsgestaltung.

  • Klimax: Steigerung. Gliedere Deinen Vortrag insgesamt oder Deine Argumente so, dass sie eine Steigerung (positiv stärker werdend, oder negativ abfallend) aufweisen.
  • Antithese: Benenne Vorteile und Nachteile oder alternative Erklärungen („Andererseits…“)
  • Anapher: Wiederhole Satzanfänge oder Worte bei einer Aufzählung, um die Aufzählung einprägsamer zu gestalten, z.B. bei Eigenschaften von Personen/Akteuren/Objekten („Die Wähler werden als X angenommen. Die Wähler handeln… Die Wähler bevorzugen dabei…“)
  • Vergleich/Beispiel: Lasse Bilder im Kopf entstehen lassen, indem Du Beispiele für ein theoretisches Konstrukt bringst („Wir haben ja X vorhin definiert. Darunter versteht man zum Beispiel…“) oder einen bildhaften Vergleich für eine Mengenangabe lieferst („So groß wie Deutschland, Frankreich und Italien zusammen…“)

Rhetorik-Tipp 6: Stimmmodulation

Setze Deine Stimme ein.

Deine Stimme ist ein Werkzeug. Und zwar nicht nur ein schlichter Hammer, sondern ein Schweizer Taschenmesser. Du kannst dieses Werkzeug verschiedenartig einsetzen.

Moduliere Deine Stimme, um bestimmte Aspekte zu betonen oder eben nicht. Das heißt im Klartext:

  • Wechsle sowohl Dein Sprechtempo,
  • Deine Stimmlage und
  • Deine Lautstärke,

um damit jeweils verschiedene Wirkungen zu erzielen.

Betone Fragen als solche. Beende Aussagesätze mit einer Stimme nach unten statt nach oben.

Spreche betont langsam, wenn Du eine wichtige Ansage machst oder eine elementare Definition oder ein zentrales Ergebnis vorträgst.

Achte bewusst auf diese Modulation Deiner Stimme. Mache das auf jeden Fall und bleibe nicht eintönig und monoton. Letzteres ist ein direkter Weg, um Dein Publikum zu Tagträumen zu ermuntern…

Generell gilt mein Rat: Spreche lieber zu langsam als zu schnell, insbesondere falls Du z.B. einen Vortrag auf Englisch hältst. Das musste ich erst hart lernen. Inzwischen habe ich bei Vorträgen gerade dafür ein Lob bekommen, dass man mir gut zuhören und folgen konnte. Die Langsamkeit kommt bei mir bisweilen erst nach einigen Minuten, sobald ich mich sicher fühle. Für eine größere Sicherheit und damit Entspannung hilft nur üben, auch wenn das wieder nach Streber klingt.

Quellen/Weiterlesen

Buchtipps Rhetorik
Wenn Du noch mehr speziell über die Redekunst oder einige der erwähnten Redner erfahren möchtest, gebe ich Dir einige Buchtipps mit auf den Weg:

  • Wilfried Stroh: Die Macht der Rede
  • Roman Braun: Die Macht der Rhetorik
  • Karl-Heinz Göttert: Mythos Redemacht: Eine andere Geschichte der Rhetorik
  • Reden, die unsere Welt veränderten
  • Reden, die die Welt veränderten (Audio CD!)

Bildquellen

Titelbild: ich auf Sizilien in einem griechischen Theater

Nic

Nic

Ich bin Student, Generation Y und Espressogenießer. Auf diesem Blog gebe ich Dir viele Tipps, um einen super Vortrag zu halten.

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