Stilmittel fürs Präsentieren: Die 3er-Regel

Denke mal an die einprägsamen Werbeslogans für eine berühmte Schokoladentafel im quadratischen Format oder an eine Weißbiersorte aus München.

Bestimmt hast Du mindestens einen Slogan davon im Kopf;  das ist der beste Beweis dafür, dass das eingesetzte Stilmittel der 3er Regel so mächtig ist.

Ein genial einfaches, aber mächtiges Stilelement für Deinen nächsten Vortrag: die 3er-Regel

Ich werde Dir in diesem Beitrag das verwendete Stilmittel, die 3er Regel vorstellen, einige Beispiele für die Umsetzung aus verschiedenen Bereichen nennen und Dir vor allem zeigen, wie Du die 3er Regel selbst verwenden kannst, um Deine Präsentationen zu verbessern.

Hintergrundwissen

Die 3er Regel zählt zu den elementarsten Stilmitteln in Texten, Reden oder eben Präsentationen. Zum ersten Mal wissentlich davon Notiz genommen habe ich im Lateinunterricht bei der Textinterpretation. Dazu gab es nämlich eine Liste mit Stilmitteln, die wir kennen und die wir dann in den Texten Caesars oder Ciceros finden sollten.

Eines dieser Stilmittel war der Trikolon, die griechische Bezeichnung für „drei Glieder“ oder eben die 3er Regel. Gerade diesen Trikolon fand ich sehr oft in den zu analysierenden Texten. Viele große Schriftsteller der Antike machten regen Gebrauch davon und wussten schon damals offenbar um die Mächtigkeit der Regel.

Oft wurde der Trikolon noch mit weiteren Stilelementen verknüpft. Beliebt war (und ist weiterhin) die Kombination mit einer Steigerung (Fremdwort: Klimax und in Verbindung Trikolon in membris crescentibus) oder mit gleichen Wortanfängen (Alliteration). Wenn Du etwa an den Paulaner Slogan denkst, erkennst Du bestimmt sofort die Steigerung.

Der Sinn der 3er Regel liegt zum einen in der Betonung der Aussage bzw. die Unterstreichung der Wichtigkeit. Zum anderen hört sich eine Aufzählung von genau drei Elementen für den Zuhörer am „rundesten“ an. Um dieses Empfinden wussten schon antike Rhetoriker wie etwa der erwähnte Cicero bestens Bescheid.

Die 3er Regel funktioniert aber nicht nur für drei Wörter oder kurze Satzteile. Die Regel kann noch viel mehr. Die Regel kommt auch bei der grundlegenden Gliederung eines Textes, einer Rede oder eines Referats zur Anwendung: Einleitung, Hauptteil und Schluss. Auch bei Argumentationen kannst Du die Pro- und die Contra-Argumente nach der 3er Regel gestalten. Oder aber wenn Du Beispiele in deiner Präsentation nennst. Aber dazu gleich mehr.

Da ich gerade von Beispielen spreche, lass Dir nun ein paar tolle Möglichkeiten zeigen, wie die 3er Regel umgesetzt wird oder aber, wo Du die 3er Regel wiederfindest.

Beispiele für die 3er Regel

Gewiss mögen manche der folgenden Beobachtungen der 3er Regel auf den ersten Blick etwas seltsam und nicht gewollt wirken. Dennoch verdeutlichen alle folgenden Punkte doch zumindest die generelle Wirksamkeit von 3er Gruppen. Egal, ob sie nun bewusst oder unbewusst eingesetzt werden.

  • „Gut, besser, Paulaner“ (Werbung, Steigerung)
  • „Quadratisch, praktisch, gut.“ (Werbung, Ritter Sport)
  • „Veni, vidi, vici“ („Ich kam, ich sah, ich siegte“, Klassiker, Caesar, Alliteration)
  • These, Antithese, Synthese (Dialektik)
  • Lehre der Dreifaltigkeit: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes (Guck Dir dazu mal die Bedeutung der Namensgebung beim Film Matrix an. Faszinierend!)
  • Geburt, Leben, Tod
  • Schere, Stein, Papier
  • Bobic, Elber, Balakov (Magisches Dreieck bei meinem VfB Mitte der 90er!)

Ein Meister in der Anwendung der 3er Regel war auch Steve Jobs. Sowohl bei Produktpräsentationen als auch bei der unglaublich inspirierenden Rede vor Absolventen der Stanford University nutzte Jobs diese Stilmittel meisterhaft.

Schau Dir vor allem gerne die 20 Minuten lange Rede vor den Absolventen mal an (zu YouTube hier entlang) und achte auf folgende Dinge: Gleich zu Beginn sagt Jobs sinngemäß: „Ich werde euch drei Geschichten meines Lebens erzählen.“ Es wurde eine Geschichte zur Zeit vor seiner Geburt, eine über seinen Lebensweg und eine über die Erfahrung, dem Tod (schon einmal) sehr nahe gewesen zu sein.

Die Rede ist u.a. genau wegen dieser Dreiteilung so fesselnd, ergreifend und inspirierend, weil sie einem so nachvollziehbaren Aufbau in drei wichtige Teile folgt. Wenn Du Dir die Rede bis zum Schluss anhörst, wirst Du auch bemerken, dass er seine Botschaft an die Studenten auch drei Mal wiederholt. Auch das ist sicher kein Zufall bei Steve Jobs.

Wie kannst Du nun die 3er Regel für Deine Präsentation nutzen?

Für die Anwendung der 3er Regel in Deiner nächsten Präsentation nenne ich Dir nun (wer hätte es gedacht!) drei Möglichkeiten:

Gliedere deine Präsentation in 3er Blöcke

Die Zuhörer können Deiner Präsentation sehr schön folgen, wenn Du es schaffst, schon in deinen Aufbau gewisse 3er Blöcke zu bauen. Diese Blöcke könnten in der Gliederung die folgenden Muster haben:

Vorher-Aktuell-Nachher-Story

„so war es, so ist es gegenwärtig, so könnte es in Zukunft weitergehen“

Das ist besonders für geschichtliche Abfolgen gut umzusetzen. Suche Dir am besten ein charakteristisches Ereignis und baue eine Vorher-Nachher-Story darum auf. Sehr passend wäre natürlich ein Bezug zur aktuellen Situation. Auf die könntest Du hinleiten (so war es), die aktuelle Situation erklären (so ist es) und auf mögliche Entwicklungen eingehen (so könnte es werden).

Ein Beispiel für einen dreiteiligen Aufbau eines Geschichtsthemas ist folgende Folie aus einem Referat zum Afghanistankrieg 1979.

Pro-Contra-Eigene Meinung

„Vorteile, Nachteile, Abwägung.“

Dies ist offensichtlich besonders für den Diskussionsteil einer Präsentation geeignet. Wichtig ist hierbei, dass der dritte Teil, die Abwägung, die Nennung der Vor- und Nachteile gewissermaßen abrundet.

Im Grunde kann auch die gesamte Präsentation nach auf einem Pro-Contra-Schema aufgebaut sein. Wenn nämlich erst die Literatur präsentiert wird, die für den Sachverhalt spricht, um dann die Gegenmeinung zu hören.

Die eigene Leistung besteht dann insbesondere in der Abwägung und Bewertung der anderen Meinungen. (Für Höchstinteressierte das Stichwort: Dialektik, dazu zu gegebener Zeit noch mehr.)

Wissenschaftlicher Aufbau

„Theorie, Beobachtungen (Empirie), Fazit.“

Den klassischen Aufbau einer Hausarbeit an einer Hochschule kannst Du auch im Groben auf deine Präsentation übertragen. Allerdings ist hier wirklich nur grob gemeint. Die Ausformulierung in einer Textarbeit unterschiedet sich natürlich schon von der Art der mündlichen Darbietung in einer Präsentation.

Allerdings kann eben der Grundaufbau in der Gliederung beibehalten werden. Erst stellst Du kurz die Theorie vor, um dann die Literatur zu besprechen. Dabei kannst Du auch wieder das Für und Wider nach der 3er Regel aufbauen.

Nenne nur drei Beispiele

Eine Sache, die auch ich lange Zeit bei meinen Präsentationen nicht beachtet habe, war die Kunst der Selbstbeschränkung. Ich dachte immer, ich müsste alles erzählen, was ich weiß oder noch schlimmer: alles, was man überhaupt in der Literatur findet. Das wird aber sowieso nicht gelingen. Vor allem nicht in einer Präsentation, die zeitlich meist auf etwa 30 Minuten beschränkt ist.

Mein Beispiel aus meiner oft zitierten Präsentation über den Korruptionsfall Mani Pulite:

Das bloße Nennen von vielen Fakten, Fällen oder Beispielen geht meist auf Kosten der Analyse der einzelnen Fälle. Daher ist mein Rat gerade für Präsentationen:

Wende bei der Fallanzahl und -auswahl die 3er Regel an.

Wenn Du Beispiele für einen Sachverhalt bringen möchtest (z. B. Kriegsschauplätze im 2.Weltkrieg, Gladiatoren-Arten in der römischen Antike oder charakteristische Bauten in einer Epoche), dann suche Dir drei besonders wichtige Vertreter aus und stelle diese dafür genau vor. Das ist vor allem für Deine Zuhörer viel interessanter, da sie die drei Beispiele besser im Kopf behalten werden als wenn Du zehn Dinge aufzählst.

Ein weiteres Beispiel aus einer meiner Präsentationen, als es um sogenannte politische Budget-Zyklen ging. Bei folgender Folie ging es konkret darum, warum höhere Ausgaben der amtierenden Regierung direkt vor einer anstehenden Wahl die Wiederwahlchancen erhöhen könnten.

Folie Dreier Regel Politische budgetzyklen

Nenne je drei Pro und drei Contra Argumente

Hier liegt der Fall sehr ähnlich wie bei den gerade genannten Beispielen. Die Vorteile bei der Anwendung der die 3er Regel sind: Die genannten Argumente bleiben besser haften, Du hast mehr Zeit, die einzelnen Argumente auch in der Tiefe besser zu erklären und auf der Folie steht nicht so viel Text.

Natürlich kann es sein, dass Dir viel mehr Argumente einfallen. Aber auch bei Für und Wider kann es wie bei den Beispielen durch eine höhere Anzahl dazu kommen, dass Du eben weniger Zeit für die einzelnen Argumente hast.

Du kannst also nur kurz erklären, warum das nun ein Argument für oder gegen die vorgetragene Position ist. Diese Warum-Frage ist allerdings in der Regel die spannendste Frage und die Antwort darauf ist auch für die Zuhörer interessanter als nur ein weiterer Stichpunkt einer Liste. Zu diesen Zuhörern gehört ja auch ein Lehrer bzw. Dozent, die auf logische Argumentation abfahren…

Übrigens:

Schreibe Dir gerne für Dich alle Argumente oder Bespiele auf!

In einer Fragerunde nach Deiner Präsentation kannst Du so Dein Publikum etwa nach Ideen für weitere Beispiele bzw. Argumente fragen und dann mit Deinen eigenen Ideen vergleichen bzw. selbst noch zu den Ideen Stellung beziehen. Speziell die Möglichkeit, in einer Diskussionsrunde das Publikum zu befragen, macht eine Selbstbeschränkung in der eigenen Präsentation attraktiver. In einem Seminar an der Uni habe ich genau das schon gemacht. Die vorgeschlagenen Ideen meiner Studienkollegen haben sich auch stark mit meinen zusätzlich notierten Beispielen überschnitten, sodass ich auch zu deren Argumente noch meine Meinung äußern konnte.

Wie Du sicher beim Lesen bemerkt hast, habe ich auch selbst bei diesem Beitrag mehrfach die 3er Regel verwendet.

Ich hoffe, Dir hat mein Beitrag gefallen und Du siehst Dich nun in der Lage, bei Deiner nächsten Präsentation auch die 3er Regel anwenden zu können.

Quellen/Weiterlesen

Wortwuchs.net: Trikolon

RhetOn: Trikolon

Bildquelle

eigene Bilder

Nic

Nic

Ich bin Student, Generation Y und Espressogenießer. Auf diesem Blog gebe ich Dir viele Tipps, um einen super Vortrag zu halten.

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